Sadiq Khans Vision für Europas Sozialdemokratie in der Krise

Sadiq Khan, Bürgermeister von London

Sadiq Khan, Bürgermeister von London (alle Bildrechte bei www.sadiq.london)

Faymann, Gabriel, Hollande – der Niedergang der Genossen“: Der Spiegel-Korrespondent Hans-Jürgen Schlamp analysiert, wie sehr der Sozialdemokratie eine gute Antwort auf die doppelte Herausforderung von zunehmenden Flüchtlingen nach Europa einerseits und rechtspopulistischer Hetze dagegen fehlt. Weil die Hetze gerade in klassisch sozialdemokratischen Wählermilieus der Abgehängten oder davon bedrohten verfängt, ist die Krise der Sozialdemokraten besonders groß.

Der Wahlsieg des Labour-Kandidaten und Muslim Sadiq Khan als Bürgermeister von London (12,4% muslimischer Bevölkerungsanteil lt. Wikipedia) ist nicht nur ein schönes Symbol. Sadiq Khan hielt auch zu Beginn des Wahlkampfs eine Rede, die auf die doppelte Herausforderung eine überzeugende Antwort gibt:

As a nation, we also have to do something about the social segregation which creates the conditions for radicalism to thrive.

For decades successive governments have tolerated segregation in British society. In doing so, we’ve allowed the conditions that permit extremism to continue unchecked.

We’ve protected people’s right to live their cultural life at the expense of creating a common life. Too many British Muslims grow up without really knowing anyone from a different background. Without understanding or empathising with the lives and beliefs of others.

And too many British people have never befriended a Muslim. Never worked together, never eaten together, never played sports together. As a result, too many people have formed a single identity – too often based around their religion or ethnicity.

This creates the conditions for extremism and radicalisation to take hold. Social segregation will not go away on its own. Tackling it will take a prolonged and concerted effort by us all.

Khan verbindet das klassisch sozialdemokratische Ziel, die Gesellschaft im Inneren zu integrieren, mit der richtigen Beobachtung, dass Extremismus dort wachsen kann, wo man “das andere” am wenigsten kennt. Das gilt wohlgemerkt sowohl für islamistisch verbrämten Terrorismus wie auch für Rechtsradikalismus.

Das passt auch deshalb gut, weil es ja gerade die historische Stärke der Sozialdemokratie war, Menschen in Vereinsform zusammen zu bringen und zusammen feiern zu lassen. Noch immer durchdringen Vereine mit sehr vielen sozialdemokratischen Funktionären mindestens ihre alten Herzlande. Dies in der Krise voll auszuspielen, brächte vielleicht auch mehr Politiker hervor, die so glaubwürdig wie Khan eine sozialdemokratische Lebensgeschichte erzählen können, vom Sohn eines Busfahrers und einer Näherin, aufgewachsen in einer Sozialwohnung zum Rechtsanwalt, der für soziale und menschenrechtliche Anliegen kämpft. Es schein ein bisschen Barack Obama auf. Mehr davon würde auch Europa gut tun.

 

Die ganze Rede von Sadiq Khan: https://www.politicshome.com/news/uk/home-affairs/news/60001/sadiq-khan-speech-house-commons-press-gallery

Die Spiegel-Analyse von Schlamp: http://www.spiegel.de/politik/ausland/sozialdemokraten-in-europa-niedergang-der-genossen-a-1091486.html

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