Christian Beck aus Mainz arbeitet im Brüsseler Europaviertel: “Ich will der Angst nicht nachgeben”

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Von Michael Bermeitinger

MAINZ/BRÜSSEL – „Angst verhindert nicht den Tod. Sie verhindert das Leben.“ Als Christian Beck am Dienstagvormittag aus seinem Brüsseler Büro auf Facebook schreibt, dass es ihm gut geht, verlinkt er seine Botschaft mit diesem klugen Satz des ägyptischen Literaturnobelpreisträgers Nagib Mahfouz, den eine maltesische Kollegin zuvor herumgeschickt hatte. „Der Satz drückt aus, was ich fühle“, sagt der 34-jährige frühere Mainzer, „ich will der Angst nicht nachgeben.“

Christian Beck, der in Kostheim aufgewachsen ist und am Rabanus-Maurus-Gymnasium Abi gemacht hat, arbeitet seit zwei Jahren als Büroleiter des Grünen-Europaabgeordneten Sven Giegold, nachdem er zuvor in Berlin studiert und dann in der Grünen Bundestagsfraktion gearbeitet hatte. Sein Büro in Brüssel liegt mitten im Europaviertel, gar nicht weit von der U-Bahnstation Maelbeek, an der viele seiner Kollegen aus dem ganzen Haus Morgen für Morgen aussteigen.

Wie am Dienstagfrüh: „Mein Büronachbar Sebastian Mack ist zwei Minuten, nachdem die Bombe explodiert ist mit dem Bus oberirdisch an der Haltestelle ausgestiegen, ein anderer Kollege hatte die betroffene U-Bahn an einer anderen Station nur um Sekunden verpasst…“ Der befand sich dann im folgenden Zug, musste mit den anderen Fahrgästen unter Polizeischutz über die Schienen durch den U-Bahntunnel zur vorhergehenden Station zurücklaufen.

Mit dem Rad gefahren

Beck selbst wohnt in direkter Nachbarschaft zum Europaviertel: „Ich kann zu Fuß gehen, heute bin ich mit dem Rad gefahren.“ Sein Freund dagegen stand genau zur Zeit der Anschläge im Bahnhof Brüssel-Zentral, einem Tiefbahnhof, und wartete auf den Zug …

Bald nach den Anschlägen wird es schwer, mit dem Handy durchzukommen, das Netz ist überlastet. Aber über die sozialen Netzwerke wie Facebook oder WhatsApp erreichen Beck besorgte Anfragen: „Freunde aus ganz Europa haben sich gemeldet, Leute, die ich von meinem Studium in Indien kannte, und auch mein früherer Mitbewohner aus Berliner Zeiten, der in Toronto arbeitet.“

Dass irgendeine Gefahr in der Luft lag, irgendwelche Befürchtungen, nachdem der Polizei in Brüssel mehrere Festnahmen von Terroristen gelungen waren, das hat Beck nicht gespürt, „eher im Gegenteil, weil man ja gesehen hat, dass die Polizei etwas tut“. Schon seit den November-Anschlägen von Paris seien allerdings in Brüssel Polizisten und Soldaten viel präsenter als vorher. „Wenn ich dann nach Mainz komme, ist das schon ein Gegensatz.“

Sorge um Folgen

Wie nun die Auswirkungen auf sein Leben sein werden? „Zunächst einmal ist unklar, ob ich wie geplant am Donnerstag nach Berlin fliegen kann“, sagt Beck, ansonsten sorgt er sich darum, dass die Rechtsextremen mehr Zuspruch bekommen könnten, aber er ist auch in Sorge um all seine muslimischen Bekannten und Freunde, „dass die jetzt nicht die ganze Scheiße abbekommen“.

Er selbst will sich keine Angst erlauben. „Ich habe mich mit Spaniern hier aus dem Haus unterhalten, die ja ihre Erfahrungen mit Terror gemacht haben, und die sagen auch, dass sie sich nicht haben unterkriegen lassen.“ Das war auch die Botschaft von Becks maltesischer Kollegin Pia Micallef, die verletzte Freunde zu beklagen hatte, andere noch vermisste, und die dennoch den Satz des Nobelpreisträgers Mahfouz über die Wirkung von Angst gepostet hatte, den Christian Beck als so treffend empfindet. Er selbst hat jetzt noch drei Jahre Vertrag in Brüssel, „und daran wird sich auch jetzt nichts ändern“.

 

Artikel auf der Homepage der MAZ: http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/christian-beck-aus-mainz-arbeitet-im-bruesseler-europaviertel-ich-will-der-angst-nicht-nachgeben_16750041.htm

(Alle Rechte liegen ausschließlich bei der Allgemeinen Zeitung Mainz)

Das Facebook-Posting: https://www.facebook.com/buergerbeck/posts/10153415078182694

 

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